10A in Berlin - ein Parcours durch die deutsche Geschichte

03.07.2018 Uhr

10A in Berlin - ein Parcours durch die deutsche Geschichte

Keine Klassenfahrt im eigentlichen Sinn, sondern eine Geschichtsexkursion führte die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10A mit ihren Klassenlehrern Frau Wernecke und Herrn Delvaux de Fenffe vom 20. bis zum 23. Juni 2018 in die Bundeshauptstadt.

Drei Tage Berlin, – ein Parcours, der wie ein Querschnitt durch die deutsche Geschichte anmutet, Berlin als Freilichtmuseum, wo Geschichte mit Händen zu greifen ist: Pariser Platz und Brandenburger Tor, Reichstag, Stelenfeld des Holocaust Denkmals, Besuch der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Aber auch Gendarmenmarkt, Berliner Dom, mitternächtlicher Spaziergang über den Kudamm zur Gedächtniskirche, Besuch des Potsdamer Platzes, und an einem der Abende Besuch der Volksbühne, wo wir der schwierigen, irritierenden Stückentwicklung: "P14 - Lolita will nicht sterben", mitinszeniert von Berliner Jugendlichen beiwohnen. Was haben die Schülerinnen und Schüler mitgenommen, von dieser sehr intensiven Stadtexploration? Was hat sie bewegt, beschäftigt, berührt? In vier verschiedenen Kapiteln erzählen sie von vier Exkursionsschwerpunkten. Die Fotos stammen von Johannes Kreutel [10A] und Herrn Delvaux de Fenffe.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an Familie Rau, die Reise, Transport und Unterkunft für die Klasse organisiert und durch den Bundestagsbesuch entlastende Zuschüsse für die Familien der Klasse 10A ermöglicht hat.

Besuch im Bundestag

Als wir am Donnerstagmorgen, mehr oder weniger verschlafen, nach dem Frühstück aufbrachen, um unser Parlament zu besichtigen, mussten wir uns erst einmal mit U- und S-Bahn zum Brandenburger Tor durchschlagen. Unterwegs fiel uns auf, dass wir größtenteils kurze Hosen trugen und wir wussten nicht, ob man die im Bundestag überhaupt tragen durfte. Das stellte sich dann zum Glück als unproblematisch heraus, so konnten wir beruhigt zum Reichstagsgebäude fahren. Nachdem wir dann die Sicherheitskontrollen passiert haben, betraten wir das Parlamentsgebäude. Das ganze Gebäude kommt fast ohne künstliches Licht aus und macht einen sehr offenen und hellen Eindruck. Wir wurden über ein seitliches Treppenhaus geleitet, das uns auf die Ebene der Zuschauertribünen führte. Wir hörten einen Vortrag über die Arbeit des Parlamentes, überraschender Weise war mit uns auf der Tribüne eine andere Besucher*innengruppe aus Freiburg. Im Bundestag, welcher bis 1989 direkt an der Mauer zu Ostberlin stand, wurden teilweise sogar die Kritzeleien sowjetischer Soldat*innen erhalten, welche 1945 nach dem Krieg hinterlassen wurden. Später bekamen wir noch ein Gespräch mit einem Persönlichen Referenten von Johannes Fechner (SPD), Abgeordneter aus dem Wahlkreis Emmendingen. Herr Fechners Referent erklärte uns das System der Arbeit einer Fraktion und erläuterte uns, wie eine Sitzungswoche für eine*n Abgeordnete*n aussieht, die teilweise bis zu 70 Stunden Arbeitszeit umfasst. Während den Sitzungswochen ist Herr Fechner in Berlin, während den Wochen in denen keine Sitzung stattfindet, nehmen die Abgeordneten Termine in ihrem Wahlkreis wahr, und arbeiten im Büro.

Nach dem Gespräch konnten wir noch die Kuppel besichtigen. Die Kuppel des Bundestages, von der man eine großartige Aussicht über den Tiergarten hat, ist sehr aufwändig konzipiert. Durch ein Spiegelsystem wird Tageslicht in den Plenarsaal geworfen, und durch die Öffnung oben in der Kuppel wird der Bundestag belüftet. Die Kuppel wie auch das eigentliche Gebäude haben natürlich auch symbolischen Charakter: Die Kuppel ist aus Glas, komplett begehbar, und aus der Kuppel kann man in den Plenarsaal hineinschauen. Das steht für Transparenz, die Besucher*innen können die Abgeordneten bei der Arbeit beobachten.

Wenn man dieses Gebäude besucht, ist es spannend darüber nachzudenken, was in diesem Gebäude alles geschah: Von hier wurde der erste demokratische deutsche Staat ausgerufen, danach brannte das Parlament aus, was von den Nationalsozialisten instrumentalisiert wurde. Nachdem das Gebäude kaum genutzt wurde zog 1999 der Bundestag wieder ins Reichstagsgebäude. Wenn man nach dem Verlassen des Reichstags zurückblickt, das Gebäude ansieht und sich die Geschichte des Gebäudes in Erinnerung ruft, ist es faszinierend, wie sehr dieses Gebäude mit der jüngeren deutschen Geschichte verbunden ist. Ich fand den Besuch im Bundestag sehr interessant, und mich hat der Einblick in das Zentrum der Deutschen Politik begeistert.

Aaron Rau [10A]

Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Auf unserer Fahrt nach Berlin haben wir auch das Holocaust-Denkmal in Berlin Mitte besucht. Wir durften uns zuerst selbst einen Überblick verschaffen und bekamen Zeit, durch das Denkmal zu laufen. Wir wussten, dass das Denkmal all den Juden gewidmet wurde, die durch die Shoa umgekommen sind. Mehr wussten wir allerdings auch nicht. Wir wussten auch nicht, wie wir uns verhalten sollten. Darf man das Denkmal berühren? Hinaufklettern? Fotos machen?

Schlussendlich hat jeder von uns selbst entschieden, wie er oder sie mit der Situation umgeht. Ich für meinen Teil, bin durch das Denkmal gelaufen und habe einfach mal alles auf mich wirken lassen. Je weiter man hineinläuft, desto höher werden die Betonstelen. Einerseits ist es ziemlich beeindruckend, andererseits aber auch einschüchternd. Die Stelen werden immer größer und man selbst immer kleiner, es wirkt beklemmend. Zu wissen, dass dies all den ermordeten Menschen, die fast ausschließlich durch deutsche Hand gestorben sind, gewidmet ist, ist bedrückend.

Anschließend bekamen wir eine Führung durch das Stelenfeld und das darunter befindliche Holocaust-Museum. Unserer Museumsführer war ein Italiener aus Venedig, der uns in etwas gebrochenem Deutsch alles erklärt hat, was ihn wiederum sehr sympathisch gemacht hat. Das Museum ist in unterschiedliche Räume aufgeteilt. Zuallererst läuft man einen Zeitstrahl entlang. Anschließend betritt man den Raum der Dimensionen. In diesem Raum befinden sich Briefe, Tagebucheinträge und Notizen von ermordeten Juden. Zudem wurde hier auch noch die grobe Anzahl, der Menschen, die der Holocaust das Leben gekostet hat, angegeben. Was mich überrascht hat, ist, dass viele Juden aus anderen Ländern ermordet wurden. Ich erfuhr später von unserem Führer, dass diese manchmal sogar von ihren Ländern in Konzentrationslager und Vernichtungslager nach Deutschland transportiert wurden. Anschließend kam man in den Raum der Familien, dort stand das Schicksal einiger Familien im Vordergrund. Zu sehen, dass das ganz normale Familien waren, die einfach kaltblütig ermordet wurden, war ziemlich erschütternd. Vor allem, dass der Kontrast zwischen dem vorherigen Leben und dem Leben nach der Verfolgung so drastisch war. Danach betritt man den Raum der Namen. Der Raum ist ziemlich einfach gehalten, an die Wände werden Namen projiziert und in der Mitte gibt es Sitzgelegenheiten. Zu den Namen werden die dazugehörigen Geschichten gesprochen. Der Raum der Namen ist enorm beeindruckend. Unser Museumsführer erzählte uns dann auch noch, dass, wenn man alle Namen durchspielte, es mehrere Jahre dauern würde bis man wieder beim ersten Namen angelangt wäre. Dies verdeutlicht noch einmal das Ausmaß des Holocaust. Der letzte Raum, in den man kam, war der Raum der Orte. In diesem Raum wurden die Orte der Verfolgung und Vernichtung der Juden thematisiert. In diesem Raum wurde mir die Ausdehnung der Vernichtung der Juden klar.

Das ganze Museum war sehr beeindruckend, allerdings auch unglaublich beklemmend.

Vor allem für meine und die jüngeren Generationen wirkt das alles Jahrhunderte entfernt. Man fühlt sich gar nicht richtig zu dieser Geschichte zugehörig. Doch durch dieses Museum wird einem klar, wie sehr man von dem Ganzen betroffen ist. Wir sind alle davon betroffen, da dies unsere Geschichte ist. Das Ganze, im Museum Dargestellte, wirkt spürbar real, es fühlt sich so an, als wäre man bei allem dabei gewesen. Ich finde es gut, dass der Holocaust nicht totgeschwiegen wird, sondern es auch ein Denkmal dafür gibt. Es ist wichtig, respektvoll damit umzugehen. Jeder Mensch sollte einmal durch das Denkmal gelaufen sein und anschließend das Museum besuchen, da einem da erst richtig bewusst wird, was das die Shoa überhaupt bedeutet und wie wichtig es ist, sich mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen.

Jule Kläger [10A]

Besuch des Stasi-Gefängnisses Berlin-Hohenschönhausen

Am Donnerstag, den 21. Juni 2018, stand die Besichtigung des ehemaligen Gefängnisses Hohenschönhausen des damaligen Ministeriums für Staatssicherheit auf dem Programm. Begleitet von kurzen Regenschauern kamen wir auf dem von einer hohen Mauer umgebenen Gelände des Gefängnisses an, damals ein weißer Fleck auf jeder Landkarte, - bis 1989.

Dort nahmen wir an einer Führung des ehemaligen politischen Gefangenen Harry S. teil, der hier eingesessen hatte und uns nach einem kurzen Einführungsfilm durch die Gedenkstätte Hohenschönhausen führte. Nachdem das Gelände der ehemaligen Fabrik zuvor als sowjetisches Untersuchungsgefängnis genutzt worden war, übernahm das Ministerium für Staatssicherheit 1951 nach Gründung der DDR das Arial. Harry S. zeigte uns zuerst das Kellergefängnis und führte uns durch die Zellen. Darunter waren auch „Dunkelzellen“ ohne irgendein Fenster oder Tageslicht, in denen bis zu 8 Gefangene nebeneinander auf dem Boden lagen und Zellen, die „beheizt“ werden konnten und so, wie Herr S. uns erklärte, für fast unerträgliche Temperaturen bei den Häftlingen sorgten. Nur eine kleine Lüftung sorgte für frische Luft, um nicht zu ersticken. Es kann sich wohl niemand richtig vorstellen, wie es ist, mehrere Jahre dort zu verbringen, abgeschnitten von der Außenwelt und ohne zu wissen, wo man ist, wenn man es nicht selbst erlebt hat. 

Nach der Besichtigung dieser Kellerzellen, von den Gefangenen auch das „U-Boot“ genannt, zeigte uns Herr S. einen originalen Transportwagen, der von außen wie ein Lieferwagen aussieht und mit dem die Gefangenen ins Lager gefahren wurden. Auch er selbst ist damit gefahren, viele Male. Er hat später versucht zu zählen, wie oft er in den engen Zellen im Inneren des Wagens saß. Auf unsere Nachfrage erzählte er uns auch seine eigene Geschichte, die er nach eigener Aussage nur erzählt, wenn er danach gefragt wird. Nachdem ihm die Ausreise verweigert wurde, beschloss er aus der DDR zu fliehen. Seine Pläne wurden aber von einer damaligen Freundin an die Stasi verraten und S. wurde wegen „Vorbereitung und Planung zum illegalen Grenzübertritt im schweren Fall“ angeklagt und zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. „Als ich hörte, dass es nur ein Jahr war, war ich erleichtert.“, erklärte Santos. Er hatte auch das „Glück“, nach „nur“ neun Monaten Haft in Hohenschönhausen von der Bundesrepublik freigekauft zu werden. S. führte uns danach in den Neubau mit weiteren Zellen und einem langen Gang voller Verhörräume, in denen die stundelangen Verhöre stattfanden. „Der Geruch, die Möbel und schalldichten Türen: alles original DDR!“. Am bemerkenswertesten fand ich, wie Herr S. mit der psychischen Folter, die er in diesem Gefängnis erleiden musste, umgegangen ist. „Die Leute denken immer, ich mache die Führungen hier, um meine Erlebnisse zu verarbeiten“, erzählt er. „Um Gottes Willen, dann wär‘ ich nicht hier.“ S. will darüber aufklären und Anderen zeigen, wie gut sie es haben, nicht in so einem Unrechtsregime wie dem der DDR leben zu müssen. Er will auch, dass die Verbrechen der DDR nicht in Vergessenheit geraten. Das ist ihm eindrucksvoll gelungen.

Eine Führung von einem ehemaligen Häftling durch Hohenschönhausen ist, wie ich finde, mit die beste Möglichkeit, sich mit dem Unrecht, das von der DDR ausging, auseinanderzusetzen.

Justus Klein [10A]

Besuch des DDR-Museums

Am letzten Tag unserer Berlin-Exkursion, am Freitag, den 22. Juni, waren wir im DDR-Museum. Es liegt direkt neben dem Berliner Dom. Der erste Eindruck: Das Museum war ziemlich klein im Vergleich zu den anderen, die wir schon besucht hatten. Dennoch hatte es viel Interessantes zu bieten.

Als Allererstes kam man in den mittleren Abschnitt des Museums. Dieser erste Raum behandelte die Politik der DDR. Es gab einen langen Tisch, an dem man sich hinsetzen und sehen konnte, wie der Bürotisch eines Politikers der DDR aussah, und sich auch ein wenig wie eine der „Machtpersonen“ des Parteiapparates der SED fühlen konnte. Mit einem Telefon mit Wählscheibe auf dem Tisch und Schubladen, in denen Kleinkrams drinnen war, aber auch einer Waffe und reichlich Alkohol. Eine nicht ganz ungefährliche Kombination. An der Wand hinter dem Tisch lächelten uns die Porträts von Marx, Engels und Lenin an. Mitten im Raum gab es auch viele Blockwände, in denen Klappen zum Öffnen waren. In den verschiedenen Klappen gab es unterschiedliche Informationen zur DDR-Politik, zum Beispiel, wie die unterschiedlichen Parteien zu politischen Fragen abstimmten. Auch eine Gefängniszelle gab es, wie wir sie schon in dem Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen begutachten konnten.

Wenn man nun links weiterging, kam man in den Abschnitt, in dem man eine ganze Wohnung zu DDR-Zeiten ansehen konnte. Man fühlte sich in eine komplett andere Zeit und auch Atmosphäre versetzt. Ich finde, es stellt die Wohnungssituation der DDR authentisch dar, und man kann sich dadurch besser in das „Wohnungsleben“ der DDR hineinversetzen. Es gab die Möglichkeit, immer etwas auszuprobieren und neues über das Leben in der DDR zu erfahren. Selbst die allseits geliebte Sandmännchen-Sendung konnte man auf dem Sofa sitzend im DDR-Fernsehen anschauen.

Ganz rechts im Museum wurde das Alltagsleben der DDR-Bürger dargestellt. Alles drehte sich um die Lieblingsbeschäftigungen der Menschen, seien es unterschiedliche Brettspiele, Freizeitaktivitäten oder Tänze, wie den Lipsi, dessen Schritte man sogar erlernen konnte. Auch in einem (leider unechten) Trabi konnte man eine Simulation fahren. Auch wenn wir alle den Führerschein aufgrund der unzähligen Unfälle entzogen bekommen hätten…

Das Museum hat ziemlich viel Interaktives zu bieten. Es ist kein Museum, an dem man nur langweilige Zeittafeln liest und irgendwelche Bilder oder Grafiken betrachtet. Man kann hier Vieles selbst ausprobieren, vom Abhören einer Wohnung, wie es die Stasi machte, bis zu dem Spielen von Tischkicker. Es gibt immer was Neues zu entdecken. Sei es politischer Natur oder auf den Alltag der DDR bezogen.

Ich finde es auch gut, dass das Museum in thematische Abschnitte eingeteilt war. Dadurch konnte man sich gut auf einen Aspekt konzentrieren und kam nicht durcheinander. Dieses Museum ist definitiv ein Ort, an dem es Spaß macht, Geschichte zu erleben und der wahrscheinlich auch manch sozialistisches Herz höherschlagen lässt…

Lisa Kalinitschenko [10A]

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