Gedenken an die Schoah in Gurs

17.11.2019 Uhr

Gedenken an die Schoah in Gurs

Zum Gedenken an die pfälzischen und badischen Juden, die am 22. Oktober 1940 in das am Fuße der Pyrenäen liegende Internierungslager in Gurs deportiert wurden, veranstaltet der Bezirksverband Pfalz alljährlich eine Gedenkfahrt in das ehemalige NS-Lager Camp de Gurs mit Jugendlichen aus der Pfalz und Baden. Das Protokollreferat der Stadt Freiburg hat in diesem Jahr zwei FG-Schülern, Rebekka Jürges (10A) und Laurin Muthesius (KS1) die Teilnahme an der Gedenkfahrt ermöglicht. Rebekka berichtet, von Laurin stammen die Aufnahmen.

Am Sonntagmorgen flogen wir - 60 Erwachsene und 16 Jugendliche - nach Pfou (Südfrankreich). Eingestimmt in das Thema wurden wir direkt im Flugzeug beim Start mit einem sehr beeindruckendem Schutzgebet auf Hebräisch von Moise Hayoun, Kantor der jüdischen Gemeinde Freiburg.

Von dort ging des mit dem Bus nach Gurs. Wir konnten dann kurz unsere wenigen Dinge im Hotel ablegen. Nach einer kurzen Pause begann dann die Gedenkzeremonie für die deportierten Menschen, die in Gurs interniert waren. Es sprachen die Vertreterin der Israelischen Religionsgemeinschaft Baden, Frau Irena Katz, die Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland, Frau Verena Gräfin von Roeder und Jugendliche der Stadt Konstanz. Sämtliche Ansprachen hatten eine tiefe Intensität. Die Worte verdeutlichten, wie wichtig es ist, immer wieder an die betroffenen Menschen und die begangenen Verbrechen zu erinnern, damit sich solche Schicksale nicht wiederholen.

Gedenken an die Schoah in Gurs

Zum Ende der sehr feierlichen Veranstaltung wurde noch das Kaddisch, das jüdische Heiligungsgebet vorgetragen und und das El male rachamim (hebr. „Gott voller Erbarmen“) für die Opfer des Holocaust gesprochen, bzw. gesungen. Diese Momente fand ich persönlich am beeindruckendsten, da ich das Gefühl hatte, der Rabbi legt seine Gesamtheit an Schmerz und Trauer in die betenden Worte. Seine Art des Vortrags war ungemein präsent und intensiv, und die ganze Zeremonie lässt mich aus dem Nachdenken und -fühlen nicht heraus.

Zeitzeuge Hans Flor in in Gurs
Zeitzeuge Hans Flor in in Gurs

Begegnung mit Zeitzeugen

 Am Tag darauf durften wir ein Gespräch mit einem Zeitzeugen anhören. Herr Hans Flor war von Februar bis April 1945 in Theresienstadt interniert. Er hatte einen nicht-jüdischen und einen jüdischen Elternteil. Ich bin sehr dankbar, dass ich noch einen Zeitzeugen wie ihn erleben durfte. Die kleinen Details und die Emotion, mit der er gesprochen hat, sind nicht vergleichbar mit einem Dokumentarfilm oder ähnlichem. Was er uns noch mitgeben wollte, besonders in dieser Zeit, in der Diskriminierung und Antisemitismus wieder zunehmen, war, dass wir stets hinterfragen sollen, der Masse nicht hinterherlaufen mögen und auch unseren Kinder und Enkel immer wieder die Geschichte vor Augen führen sollen. Denn unsere Gesellschaft müsse auf einer anständigen Demokratie aufbauen. Die Rechte sollten geschützt werden, und so könne verhindert werden, dass irgendein Leid über eine Menschengruppe gebracht wird.

Laurin Muthesius in Gurs
Laurin Muthesius in Gurs

Anschließend konnten wir auch das ehemalige Lagergelände besichtigen. Dort befindet sich jetzt überall Wald. Damals gab es dort verschiedene Baracken, so genannte "Illôts", in denen die deportierten Menschen untergebracht waren. Es ist schade, dass nicht mehr viel davon zu sehen ist. Man kann nur noch erahnen, was das Menschen dort durchgemacht haben. Die Umstände, besonders, wenn es geregnet hat und der Boden matschig und schlammig war, waren für Alte und Kranke eine Tortur. Die Vielzahl von Gedenktafeln auf dem Lagerfriedhof mit den Hunderten von Namen verschiedener Menschen, die unterschiedlichster Herkunft waren, verdeutlichen die Grausamkeit, die dieser Ort mit sich gebracht hat.

Insgesamt waren die zwei Tage außergewöhnlich eindringlich und beeindruckend – und von wahrhaft bleibendem Wert. Abgerundet wurden sie zum Abschied - wie zu Beginn zum Willkommen - mit einem Gebet, und zwar unmittelbar bei der Abreise (und nach dem Abschied) im Flugzeug durch Kantor Moise Hayoun.

Rebekka Jürges (10A) /  

Gregor Delvaux de Fenffe

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