Die Geschichte des Friedrich-Gymnasiums Freiburg

Seit über 110 Jahren gibt es das Friedrich-Gymnasium. Das traditionsreiche humanistische Gymnasium ist eine kleine Schule mit familiärer Atmosphäre, eine Schule in einem Gebäude, das „Geschichte atmet“, das seismografisch die Geschichte des schweren 20. Jahrhunderts mit all seinen Verwerfungen abbildet und in sich aufnimmt. Unterschiedliche „Sedimente“ lassen sich hier freilegen. Kaiserzeit, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Bundesrepublik Deutschland, vier „Reiche“ haben die Lernenden und Lehrenden hier er- und durchlebt.

Friedrich-Gymnasium Freiburg

Großherzogliches Friedrichs-Gymnasium

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Freiburg nur ein Gymnasium, das heutige Berthold-Gymnasium, gegründet um 1250. Im Jahr 1900 entschied der badische Landtag aufgrund steigender Schülerzahlen die Einrichtung eines weiteren Gymnasiums in Freiburg. Für den Bau der neuen „Gelehrtenschule“ einigte man sich schnell „wegen der besseren hygienischen Verhältnisse im Norden der Stadt“ auf den prosperierenden Stadtteil Herdern. Die Stadt Freiburg verkaufte dem Land Baden das Grundstück am Aschoffplatz für rund 192.000 Mark. Als Architekt wurde der damals schon bekannte Oberbaudirektor Josef Durm aus Karlsruhe beauftragt, für den Baubeginn das Jahr 1901 festgesetzt. Am 12. September 1904, ein Jahr später als geplant, wurde schließlich das zweite Freiburger Gymnasium, unter dem Namen „Großherzogliches Friedrichs-Gymnasium“ eröffnet.

Das Friedrich-Gymnasium trug in seiner über hundertjährigen Geschichte verschiedene Namen:

  • 1904–1944: Großherzogliches Friedrichs-Gymnasium
  • 1945–1948: (Deutsches) Gymnasium Freiburg (Zusammenlegung der Freiburger Gymnasien)
  • 1948–1965: Berthold-Gymnasium (Das ehemalige Friedrich-Gymnasium wird als „Abteilung Herdern des Berthold-Gymnasiums“ geführt.)
  • seit 1965: Friedrich-Gymnasium Freiburg
Friedrich-Gymnasium Freiburg

Kaiserzeit

Als erster Direktor der Schule war Jakob Sitzler, ein klassischer Philologe, geradezu prädestiniert für die Leitung des neuen Gymnasiums mit humanistischer Ausrichtung. Einen großen Teil, fast die Hälfte der Schülerschaft, stellten damals die aus ländlichen Regionen stammenden Bewohner des Konvikts an der heutigen Habsburgerstraße, während die restlichen Schüler aus meist höhergestellten Beamten- und Professorenfamilien aus Herdern oder anderen Freiburger Stadtvierteln stammten. Unabhängig von den Verhältnissen des Elternhauses musste ein jährliches Schulgeld von 108 Mark aufgebracht werden, was in etwa dem doppelten Schulgeld für den Besuch einer damaligen Oberschule entsprach. Der Unterricht fand von Beginn an koedukativ statt, im Gründungsjahr setzte sich die Schülerschaft allerdings aus 314 Jungen und nur 2 Mädchen zusammen. Gelehrt wurden gewöhnlich acht, in manchem Jahrgang sogar bis zu 14 Stunden Latein pro Woche, jedoch nur zwei Stunden pro Woche eine naturwissenschaftliches Fach. Englisch wurde anders als Französisch nicht besonders zeitintensiv unterrichtet. Eine Schuluniform war üblich, beschränkte sich in Freiburg aber in erster Linie auf das Tragen einer Schulmütze, anhand derer die Klassenstufe, aber auch die Schule des Schülers deutlich wurde. Nur wenige Schüler strebten bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs eine militärische Laufbahn an. An erster Stelle standen Studiengänge wie Medizin oder, bedingt durch die Bewohner des Konvikts, Theologie.

Noch bis in die 1980er Jahre wohnte der Hausmeister des Friedrich-Gymnasiums (damals Schuldiener) in einer separaten Wohnung im Dachgeschoss des Schulgebäudes. Zu seinen Aufgaben gehörte es neben vielen anderem, Ansagen der Schulleitung und der Lehrer mithilfe eines „Umlaufbuchs“ in den Klassen zu verkünden.

Friedrich-Gymnasium Freiburg: Die Untersekunda 1908
Friedrich-Gymnasium Freiburg: Die Untersekunda 1908

Lazarett im Ersten Weltkrieg

Abiturpostkarte Friedrich-Gymnasium-Jahrgang 1914
 
 
Im Juli 1913 wurde die Schulleitung mit Plänen des badischen Innenministeriums konfrontiert, das Gebäude des erst 9 Jahre alten Gymnasiums im drohenden Kriegsfall in ein Lazarett umzufunktionieren. Schon kurze Zeit später begannen die heimlichen Umbauten. Im Erdgeschoss wurde eine Küche eingebaut, der Physiksaal im 1. Stock in ein Röntgenzimmer, der Chemiesaal im zweiten Stock als Operationssaal umgewandelt. Im August 1914, nur fünf Tage nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurden bereits die ersten Verletzten im neu errichteten „Vereinslazarett im Ausschuss des Roten Kreuz in der Jakobistraße“ versorgt. Allein in den ersten beiden Kriegsjahren wurden über 1600 Kriegsversehrte in den Räumen des Friedrich-Gymnasiums behandelt. Der Unterricht wurde ab 1914 eingeschränkt, wenn auch vorerst nicht ausgesetzt. Während im südlichen Teil der Schule operiert wurde, fand in der anderen Hälfte weiterhin Unterricht statt. Im Verlauf des Krieges wurde es zunehmend schwieriger, den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Der Unterricht musste aufgrund von Fliegerangriffen weiter eingeschränkt werden. Viele Oberprimaner legten im Voraus ihr Abitur ab, um sich freiwillig für den Kriegsdienst zu verpflichten. Auch Mitglieder des Lehrerkollegiums wurden eingezogen oder meldeten sich freiwillig an die Front. Bald beeinträchtigten Mangel an Heizmaterialien und Unterernährung den schulischen Alltag. „Kohleferien“, die zeitweise Schließung der Schule aufgrund von Kohlemangel, waren an der Tagesordnung. Im Jahr 1918 wurde die Schule gezwungen, das Sandsteingebäude am Aschoffplatz zu verlassen und erst provisorisch in Räumlichkeiten der Universität, dann ins Berthold-Gymnasium auszuweichen. Erst zur Jahresmitte 1919 konnte der Schulbetrieb im alten Gebäude wieder regulär aufgenommen werden. Am Ende des Ersten Weltkrieges gab es insgesamt 45 Tote zu beklagen, davon waren 5 Lehrer und 39 Schüler. Eine 1922 im Eingang des Friedrich-Gymnasiums angebrachte Gedenktafel erinnert an die Gefallenen.

Verwundete im Ersten Weltkrieg in der Aula des FG (1915; Sammlung Jürgen Weckerle)
Verwundete im Ersten Weltkrieg in der Aula des FG (1915; Sammlung Jürgen Weckerle)

Weimarer Republik

1921 übernahm August Hausrath das Amt des Rektors am Friedrich-Gymnasium. Er hatte als Mitglied der Demokratischen Partei (DDP) eine positive Haltung zur Jugendbewegung und setzte sich für eine Modernisierung der Schule ein. Nach dem Weimarer Schulkompromiss, der in Artikel 146 der Weimarer Reichsverfassung aufgenommen wurde, sollten alle Schultypen künftig „organisch“ verbunden sein. Als Grundlage wurde eine für alle Kinder gemeinsam unterrichtete vierjährige Grundschule eingeführt. Da die Volksschule im Frühjahr das neue Schuljahr begann, verlegte das Friedrich-Gymnasium seinen Schuljahresbeginn ab 1921/1922 von Herbst auf Ostern. Es entstanden Schülerausschüsse, eine Schülerselbstverwaltung und 1921/22 ein erster Elternbeirat. Als Maßnahme gegen die hohe Arbeitslosigkeit junger Lehrer beschloss das Ministerium 1924, vor 1864 geborene Lehrer zwangsweise zu pensionieren. Dies stieß auf heftigen Widerstand im Lehrerkollegium. Im Gegensatz zu den Oberrealschulen nahm die Schülerzahl am Friedrich-Gymnasium in den Inflationsjahren jedoch nicht ab, was vor allem auf die Zugehörigkeit vieler Eltern zum Bildungsbürgertum zurückzuführen ist. Unter Hausraths Führung wurde 1924 ein botanisch-geologischer Schulgarten angelegt. Von 1925 bis 1929 besaß das Gymnasium ein eigenes Schülerwanderheim auf dem Belchen.

FG-Schüler auf dem Belchen-Haus
FG-Schüler auf dem Belchen-Haus

Nationalsozialismus

Die Gleichschaltung im Nationalsozialismus machte auch vor dem humanistischen Friedrich-Gymnasium nicht halt. Ein Assessor und zwei Professoren wurden in den Jahren 1934 und 1937 nach § 4 des Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus dem Dienst entlassen.[16] Dem Kollegium gehörten aber auch begeisterte Anhänger des Nationalsozialismus an, darunter ein höherer SA-Funktionär. Ab 1936 mussten alle Lehrer regelmäßig an NS-ideologischen Schulungslagern des Nationalsozialistischer Lehrerbundes teilnehmen. Jüdische Schüler wurden 1938 der Schule verwiesen. Ein Beispiel hierfür ist Heinrich Rosenberg, der das Friedrich-Gymnasium von 1933 bis 1938 besuchte und im Oktober 1940 in das Pyrenäenlager Gurs deportiert wurde, bevor er 1942 in Auschwitz ermordet wurde.

DOKUMENTATION: Heinrich Rosenberg. Freiburg-Gurs-Auschwitz | Länge: 17:28


Freiburg 1933: Auch im FG beginnt mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten die systematische antisemitische Ausgrenzung. In dieser Zeit wächst in Freiburg der Jude Heinrich Rosenberg auf, Sohn eines Großeisenhändlers. Er besucht das Friedrich-Gymnasium, doch wird er 1938 gezwungen die Schule zu verlassen, Juden werden an weiterführenden Schulen nicht mehr geduldet. Im Oktober 1940 schließlich, werden Heinrich Rosenberg und seine Mutter Opfer der Deportation nach Südfrankreich in das Internierungslager Camp de Gurs...

Ein Film von Elena Muggenthaler.
Seminarkursarbeit „Mediale Konstruktion von Geschichte“ 2012-2013.
Friedrich-Gymnasium Freiburg im Breisgau.

 

Am 5. März 1940 wurde das Gebäude des Friedrich-Gymnasiums von der Wehrmacht beschlagnahmt. Bereits zum zweiten Mal in der Geschichte des nun 35 Jahre alten Friedrichs-Gymnasiums mussten Schüler und Lehrer in andere Räumlichkeiten in Freiburg ausweichen, diesmal in das Gebäude der Ludendorff-Schule (das spätere Kepler-Gymnasium). Inzwischen waren zwölf Lehrer und der Direktor Ernst Brühler zum Kriegsdienst einberufen worden, wobei Brühler durch Emil Imm und später durch Friedrich Laube aus Breisach vertreten wurde. Die fehlenden Lehrer wurden nur unzureichend ersetzt. Mit Kriegsbeginn fand Unterricht zunehmend unregelmäßig statt, im Winter 1939/40 wurde das Friedrich-Gymnasium wegen Kohlemangel vorübergehend geschlossen. Als am 10. Mai 1940 der Westfeldzug begann, war Freiburg nicht mehr nur „Heimatfront“, sondern befand sich erstmals in unmittelbarer Nähe des Kriegsgeschehens. Infolgedessen wurden die Schüler bis zum 20. Juli 1941 in Zwangsferien geschickt. In den darauf folgenden Monaten fanden täglich nicht mehr als vier Unterrichtsstunden pro Klasse statt. 1941 konnten die Schüler das Gebäude am Aschoff-Platz wieder beziehen und durch ein „Langschuljahr“ sollte versäumter Unterricht nachgeholt werden. Die Einrichtung des humanistischen Gymnasiums war unter den Nationalsozialisten allenfalls geduldet, zwei Schulen dieser Art am Standort Freiburg waren in den Augen der nationalsozialistischen Machthaber zu viel. Zum Schuljahr 1941/42 wurde das Berthold-Gymnasium geschlossen, seine Räumlichkeiten wurden der Universität zur Verfügung gestellt. Die Klassen wurden an das Friedrich-Gymnasium überwiesen, wodurch die Schülerzahl von 322 im Schuljahr 1938/39 auf 483 im Schuljahr 1941/42 anstieg. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs traten immer mehr Schüler noch vor den Abiturprüfungen in die Wehrmacht ein. Sie bekamen daraufhin ein Notabitur verliehen. Im Schuljahr 1940/41 legten nur noch 24 Schüler ihre Abiturprüfung ab, mehr als die Hälfte (insgesamt 35 Schulabgänger) traten anschließend in die Wehrmacht ein. In der Nacht des 27. November 1944 wurde Freiburg in der Operation Tigerfish durch das britische Bomber Command flächendeckend bombardiert. Während das Berthold-Gymnasium mit großen Teilen der Freiburger Innenstadt zerstört wurde, überstand das Friedrich-Gymnasium den Angriff nahezu unbeschadet. Erst bei einem weiteren Bombenangriff kurz vor Kriegsende am 1. März 1945 verursachten Brandbomben Schäden am Schulgebäude. Zwei Drittel der Fensterscheiben, darunter auch die monumentalen Buntglasarbeiten von Fritz Geiges wurden durch die Druckwelle zerstört.

DOKUMENTATION: Schüler oder Soldat? Spurensuche nach dem Abiturjahrgang 1943 | Länge: 11:53


Christian Jünger hat einen bemerkenswerten Quellenbestand unserer Schule erforscht. Sein Dokumentarfilm zeigt, wie junge Gymnasiasten des Friedrich-Gymnasiums 1942 vom NS-Regime verführt und als Kanonenfutter in einen sinnlosen und verbrecherischen Krieg geschickt wurden. Nur wenige Schüler des Abiturjahrgangs 1943 überlebten. Wir wissen einiges über diesen Jahrgang, weil wir an der Schule eine Sammlung von nahezu 50 Feldpostbriefen besitzen, die sich die Schüler gegenseitig geschrieben haben.

Ein Film von Christian Jünger.
| FG.TV 2013-2014 | Friedrich-Gymnasium Freiburg im Breisgau

 

Das letzte Kriegs-Schuljahr begann am 4. September 1944, endete jedoch schon zwei Monate später. „Wegen Arbeitseinsatzes für den totalen Krieg [sind] die Schulen geschlossen.“, lautete die letzte Benachrichtigung an die Schulen. Das Friedrich-Gymnasium erlitt, abgesehen von den zerstörten Fenstern und einem verwüsteten Inventar nur geringfügige materielle Schäden. 82 Schüler und Lehrer waren im Krieg entweder im Kampfeinsatz gefallen oder galten als vermisst. Am 2. November 1948 wurde eine Gedenktafel für die gefallenen und vermissten Lehrer und Schüler des Friedrich-Gymnasiums und des Berthold-Gymnasiums eingeweiht. Sie hing damals vor dem Rektorat des Friedrich-Gymnasiums und befindet sich heute im Berthold-Gymnasium.

Nachkriegszeit - unter französischer Besatzung

Mit Beginn der Besatzungszeit am Ende des Zweiten Weltkrieges ging die französische Militärregierung dazu über, zahlreiche Straßen und Gebäude in Freiburg umzubenennen. Aus dem Friedrich-Gymnasium wurde das „Gymnasium Freiburg“. Im Zuge der Entnazifizierung wurden als „belastet“ eingestufte Lehrer am Friedrich-Gymnasium verhaftet und interniert. Insgesamt wurde knapp ein Drittel der gesamten Lehrerschaft entlassen. Mit nur elf von der Militärregierung zugelassenen Lehrern nahm das Friedrich-Gymnasium 1945 mit seinen rund 600 Schülern den Unterrichtsbetrieb wieder auf. Der neu eingesetzte Direktor Max Breithaupt sah sich zu Beginn seiner Amtszeit zudem mit gravierenden Beschädigungen des Schulhauses konfrontiert, die Schule verfügte über kein einziges intaktes Fenster mehr. In einem Bericht an das Landratsamt vom August 1945 schilderte er die Lage: „Das Dach hat einige Beschädigungen […] durch die Wasser eindringt […], die meisten Schlösser und Türen sind durch rohe Gewalt entfernt oder unbrauchbar geworden.“ Beschädigungen des Schulhauses, zerstörtes Inventar, unhygienische Gesamtsituation (das Friedrich-Gymnasium hatte in den letzten Kriegsmonaten als Lazarett, schließlich als Kaserne gedient), Mangel an Heizmaterialien und der Zusammenbruch der Lebensmittelversorgung beeinträchtigten den Schulbetrieb erheblich.

Im Jahre 1947 waren 2200 Schüler im Gebäude am Aschoffplatz untergebracht: Mehrere Freiburger Schulen mussten sich aufgrund der französischen Okkupation ihrer Schulen das Schulgebäude des Friedrich-Gymnasium im Schichtbetrieb teilen. Am 26. September 1948 entschied das noch junge Kultusministerium, die Freiburger Schullandschaft neu zu strukturieren. Das „Gymnasium Freiburg“ wurde durch den ministeriellen Erlass von Staatspräsident Leo Wohleb, einem ehemaligen Schüler des Berthold-Gymnasiums, in Berthold-Gymnasium umbenannt. Direktor Breithaupt hatte sich vergeblich für den Namen „Humanistisches Gymnasium Freiburg“ eingesetzt, das Friedrich-Gymnasium existierte nominell nicht länger. Die demokratische Durchdringung der jungen Bundesrepublik machte sich bald auch am BG / FG bemerkbar. Elternbeirat, Schülermitverwaltung und Schülerzeitung wurden neu gegründet, ein Schülerparlament wurde von Schülern eingerichtet. In den frühen fünfziger Jahren wurden die Bedingungen für die Reifeprüfung gelockert, das Zentralabitur der ehemaligen Französischen Zone jedoch beibehalten. Nach der Öffnung der Französischen Zone waren 98.000 Heimatvertriebene nach Südbaden gekommen. Ihr Anteil am Berthold-Gymnasium (Friedrich-Gymnasium) entsprach bald einem Zehntel der Schülerschaft.

1953 war die Schülerzahl auf mehr als 700 angestiegen und mit dem Mädchen-Gymnasium (dem späteren Droste-Hülshoff-Gymnasium), das auf seinen Neubau wartete, wurde zwischenzeitlich eine weitere Schule im Sandsteingebäude am Aschoffplatz untergebracht. Man behalf sich mit Schichtunterricht: Im Wochenwechsel hatte jeweils eine der Schulen vormittags, die andere nachmittags Unterricht. Die Raumnot war unübersehbar, es mussten dringend mehr Klassenzimmer geschaffen oder das Gebäude musste durch Auslagerung einer der Schulen entlastet werden. Einige Klassen des Berthold-Gymnasiums/Friedrich-Gymnasiums wurden in die benachbarte Tivoli-Volksschule ausgelagert. Schließlich entschied sich die Stadt Freiburg nach öffentlicher Kritik an der Schulpolitik durch Eltern und Medien, das Berthold-Gymnasium/Friedrich-Gymnasium in zwei humanistische Gymnasien aufzuspalten und für das Berthold-Gymnasium einen Neubau zu errichten.[35] Nachdem dieses 1958 sein neu errichtetes Schulhaus in der Hirzbergstraße bezogen hatte, arbeiteten Mitglieder der Schulgemeinschaft des Friedrich-Gymnasiums, der so genannten damaligen „Abteilung Herdern des Berthold-Gymnasium“, intensiv auf eine neuerliche Eigenständigkeit der Schule im angestammten Gebäude hin.

DOKUMENTATION: Das FG in der Nachkriegszeit | IM WANDEL DER ZEIT | Länge: 20:00


Deutschland zur Stunde Null. Der Krieg ist vorbei, doch das Leben der Menschen in Deutschland ist gezeichnet von Zerstörung, Elend und Schuld. Langsam wird auch der Schulbetrieb wieder aufgenommen. Das Friedrich-Gymnasium in Freiburg hat den Krieg mit geringen Schäden überstanden, im Haus beginnt im Frühjahr 1945 wieder der Unterricht. Deutschland hat kapituliert, verloren, und ist in Besatzungszonen eingeteilt. Freiburg liegt in der Französischen Zone. Das veraltete, antidemokratische Schulwesen wird umgekrempelt und die Bevölkerung bekommt Segen und Fluch der Besatzung zu spüren.

Ein Beitrag von Mariano Managò.
| FG.TV 2012-2013 |

 

Die Schule ab den 1960er Jahren

Am 19. November 1965 wurde das Friedrich-Gymnasium erneut eigenständig und unter eigenem Namen wiedereröffnet. Anlässlich der Neugründung wurde der neue Schuldirektor Seyfarth ernannt und 1966 konnte auch das neue Droste-Hülshoff-Gymnasium einen eigenen Neubau im Herderner Musikerviertel beziehen. Das Schulgebäude wurde umfangreich renoviert und 1968 konnte das Friedrich-Gymnasium den Schulbetrieb erstmals wieder ohne Einschränkungen aufnehmen. Im Folgejahr bot die Schule erstmals einen neusprachlichen Zug an, der es ermöglichte ab der Obertertia (heute: Klasse 9) Französisch an Stelle von Altgriechisch zu wählen. Zu Beginn des Schuljahres 1982/1983 wurde die bisher für den Schulsport genutzte Aula durch eine neue Sporthalle auf der gegenüberliegenden Seite des Pausenhofs ersetzt. Das nach Plänen des Architekten Rolf Disch errichtete Gebäude ist in die Erde versenkt, sodass das Dach der Halle nur wenige Meter über die Bodenhöhe reicht. 2008 wurden die Räume unterhalb der Aula spendenfinanziert zum Schüleraufenthaltsraum, dem so genannten „Fundament“, ausgebaut.

FG-Feierlichkeiten 1979: Die Schule feiert ihr 75-jähriges Bestehen
FG-Feierlichkeiten 1979: Die Schule feiert ihr 75-jähriges Bestehen