Griechisch

Warum Griechisch?

Ein Plädoyer – und eine Begründung

Am Anfang steht eine große Faszination. Manchen beeindruckt das schiere Alter – der Mauern und Tempel, der Kunstwerke, der Texte: Hier spricht der erste namentlich bekannte Autor Europas! Da wird zum ersten Mal in der Kunst der Mensch einfach dargestellt, wie er ist; nicht nur ein König, ein Gott steht vor uns – sondern der Mensch an sich, oft nackt, ist in überwältigender Treffsicherheit und Schönheit gezeigt. In Athen, auf Aegina, in Delphi stehen wir vor 2500 Jahre alten Bauwerken, deren Schönheit uns selbst dann noch beeindruckt, wenn sie nicht mehr unversehrt sind.

Manchen fasziniert auch die Ahnung davon, dass unsere westlich geprägte Zivilisation hier einige ihrer bedeutendsten Entwicklungsschritte gemacht hat:
In Athen wurde die Demokratie erfunden – unter welchen Umständen war das möglich? Warum konnten sich damals plötzlich die üblichen Adelscliquen oder starke Einzelpersönlichkeiten nicht mehr gegen eine breitere Volksmasse durchsetzen?
In Athen philosophierte Sokrates – was für ein Glück, dass er und andere hier lange ungehindert frei denken durften! Wie schön, dass sich mit Platon ein Autor fand, der Sokrates in herrlich und witzig gestalteten Texten auftreten lässt, um ihm allmählich sogar eigene Gedanken in den Mund zu legen: Vom Wunder, dass wir Dinge verstehen können, die wir vorher noch nicht wussten – von einem himmlischen Raum, in dem die Ideen existieren, während wir hier eigentlich eher in einer Art Cyberspace leben, einer ungenauen Abbildung der Realität im Jenseits – von der Unsterblichkeit unserer Seelen …

Mich faszinierte vor allem die Aussicht, Homer im Original lesen zu können: Die Geschichte des Odysseus, des Helden und Heimkehrers, der von einer unstillbaren Sehnsucht in immer neue Länder und Abenteuer getrieben wird. Aus dem Lateinunterricht und aus eigener Lektüre kannte ich „Die schönsten Sagen des klassischen Altertums“ von Gustav Schwab – und nun könnte ich das selbst lesen, einen Vers wie „Als die dämmernde Frühe mit Rosenfingern erwachte …“

Im Griechisch-Unterricht faszinierte mich dann auch die schöne Schrift, eine Fülle von Wörtern und Wortverwandtschaften, die spannenden, manchmal rätselhaften, manchmal unmittelbar überzeugenden Geschichten aus dem Mythos, der Literatur und der griechischen Geschichte …
Klar, dass diese oder ähnliche eigene Bildungserlebnisse jede Lehrerin, jeden Lehrer dieses Faches wünschen lassen, immer neuen Schülerinnen und Schülern den Blick in die griechische Welt zu ermöglichen!
Aber wozu die Arbeit, eine weitere antike Sprache zu lernen, wenn doch wohl kein Schüler daran denkt, er könne einmal Griechisch-Lehrer werden – wozu Griechisch?

Schulisches Wissen verweigert sich im allgemeinen weitgehend einer direkten beruflichen Verwertung. Denn nur ein geringerer Teil des faktischen Wissens, das am Gymnasium erworben wird, lässt sich später in der weiteren Ausbildung oder im Berufsleben unmittelbar anwenden. Ebenso ließe sich etwa fragen: Wozu braucht der Schüler im späteren Leben ein Rilke-Gedicht? Oder: Hat jemand, der Jura studiert, jemals in seinem beruflichen Leben etwas mit der binomischen Formel anfangen können? Die fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten für die meisten Berufe – gerade für die „Klassiker” wie Ärzte, Juristen und Wirtschaftler – werden erst nach dem Abitur in meist universitären Ausbildungsgängen erworben.
Die Schule hat neben der Vermittlung der üblichen Grundkenntnisse und -fertigkeiten vor allem die Aufgabe, dem Schüler das Lernen selbst beizubringen. „Lernen lernen” heißt denn auch ein häufig zitierter Grundsatz. Und „lernen“ heißt zunächst einmal „sehen lernen: Beobachten und beschreiben, zuordnen und differenzieren, kombinieren und vergleichen, Strukturen nachzeichnen und weiterführen, querdenken und widersprechen, kurz gesagt:
Lernen heißt: nicht Antworten wissen, sondern Fragen stellen.
In diesem Sinne ist Schule ihrem allgemeinsten Wesen nach „Denkschule”, wobei das besondere Profil des Altsprachlichen Gymnasiums darin besteht, nicht etwa in antiken Bahnen zu denken, sondern den Schülern eine möglichst große Bandbreite von Denkmöglichkeiten und methodischen Fähigkeiten im Umgang mit Problemlösungen anzubieten, angefangen etwa vom Fach Griechisch bis hin zur Informatik.

In einer so verstandenen Schule kann allerdings das Fach Griechisch – davon bin ich fest überzeugt – eine ganz wichtige Rolle spielen. Denn kein anderes Schulfach hat eine so große Zahl von wesentlichen Themenbereichen anzubieten, Themen, die über dreitausend Jahre das Abendland bis heute in unverminderter Aktualität betreffen: So geht es z.B.

  • um die Frage des richtigen Handelns im Spannungsfeld von Gott, Mensch und Gesellschaft v.a. in der Tragödie,
  • um die Gesetze der Macht in der Politik (Geschichtsschreibung),
  • um die Entdeckung des Individuums in seinen ersten persönlichen Äußerungen (Lyrik)
  • und nicht zuletzt um die immer gültige Frage nach dem richtigen Leben (Philosophie).
  • Hinzu kommen die vielfältigen und spannenden Geschichten aus der Mythologie, Fragen der Literaturgeschichte, der Archäologie, der Naturwissenschaften und andere mehr.

Alle diese Themenbereiche werden anhand von Originaltexten behandelt und damit immer auf ihren sprachlichen Bestand zurückgeführt: Genaue Kenntnis der fremden (und der eigenen) Sprache und ein sorgfältiger und geduldiger Umgang mit ihr sind hierfür Voraussetzung.
Wer von der heutigen Elterngeneration selbst einmal auf der Schule Griechisch gelernt hat, denkt vielleicht mir leichtem Schaudern daran zurück, wie er sich als Schüler mit einer endlos erscheinenden Formenlehre und unübersichtlichen Satzungeheuern, auf grauen Schulbuchseiten aneinandergereiht, abplagen musste. Für weitgespannte Interpretationen und gedankliche Ausflüge blieb dann meist kein Platz.
Dass das Fach Griechisch heute anders unterrichtet wird, wird schon daran deutlich, dass die Abiturprüfung heutzutage zum einen eine Übersetzungsarbeit verlangt, bei der mit Lexikon gearbeitet wird, zum anderen eine Interpretationsarbeit auf der Grundlage eines zweisprachigen Textes.

Die Tendenz weg von der reinen Übersetzungstätigkeit hin zu mehr gedanklich-interpretatorischer Arbeit zeigt ihre Rückwirkungen schon bis in die ersten Griechischstunden der Klasse 8 hinein. Sehen und denken ist auch hier das vorrangige Tun, und ich habe bisher noch keinen Schüler erlebt, der sich in den angebotenen Themen nicht wiederfindet und begeistert diskutiert und philosophiert.
Dieser neuen Auffassung des Griechischunterrichts trägt auch das bei uns eingeführte Unterrichtswerk „Kairos” Rechnung, das den reinen Sprachkurs mit einer Fülle von anschaulichem und anregendem Material begleitet. Moderne Unterrichtsformen wie Gruppenarbeit, Exkursionen, Freiarbeit, Referate, kleine Forschungsaufträge, kreatives Nachgestalten und die Nutzung des Internet sind auch für uns selbstverständlich.
Natürlich gibt es viele gute Bildungs- und 7FGAusbildungsmöglichkeiten, und jeder Mensch muss prüfen, welcher Weg für ihn der passende ist. Ich bin auf jeden Fall fest davon überzeugt, dass das Unterrichtsfach Griechisch eine sehr gute, besonders spannende und zeitgemäße Bildungsmöglichkeit ist:
Griechisch ist ein Weg, der nicht nur zum Ziel führt, sondern weiter:
Spannend von der ersten Stunde an; nicht mühelos, aber mit besten Ausblicken in alle Richtungen; eine Seh- und Denkschule, die Anregungen und Einsichten für das ganze Leben bereithält.

Fabian Muthesius für die Fachschaft Griechisch

Link:
 Informationen zu Sprachenfolge, Profilwahl und Europäisches Gymnasium (pdf)

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Ehemalige TeilnehmerInnen eines Griechisch-Kurses am FG:

Häufig wird als Gegenargument zum Griechisch lernen genannt, dass man in den Naturwissenschaften etwas verpasst. Ich denke jedoch, dass man gerade dadurch, dass man sich mit dem Anfang des naturwissenschaftlichen Denkens beschäftigt, einen anderen, sehr interessanten Zugang zum Fach entwickelt. Ich selber habe die Leistungskurse in Mathematik und Biologie belegt, beschäftige mich also trotz Griechisch mit Naturwissenschaften. Zudem ist für mich der Zugang zu den Anfängen der geschriebenen Literatur über Homer und die frühen Lyriker interessant. Die ersten Auseinandersetzungen mit der Umwelt in lyrischer Form fand ich sehr spannend.
Phillip Berens

Aus moderner Sicht bin ich ein humanistischer Extremfall. Denn nicht nur Griechisch, sondern auch Latein habe ich als Leistungsfach gewählt. Für mich ist es wichtig, die Ursprünge unserer abendländischen Kultur kennen zu lernen.
Besonders interessant war es für mich, die Staatsvorstellungen verschiedener antiker Philosophen – so das Sternchenthema in beiden Kursen – mit heutigen Staatsbildern zu vergleichen und die Entwicklung von der Antike bis heute zu verfolgen. Dabei wird mir klar, wie modern und genial die Theoretiker dachten. Hierfür ergänzen sich Griechisch und Latein hervorragend. – Allgemein halte ich es für äußerst wichtig, sich diese philosophischen Überlegungen vor Augen zu halten, um kritisch mit der Gegenwart umgehen zu können.
Sophie Hünerfeld

Im Fach Griechisch wird immer wieder der Bezug zur Moderne hergestellt. Gerade was den politischen Bereich angeht, beinhalten die Texte immer aktuelle Aspekte. Daher ist das Griechische besonders vielseitig.
Sarah Mersch

So kurz vor Ende der Schulzeit fällt es mir oft schwer, mich für bestimmte Schulfächer zu begeistern. Die Zeit nach dem Abitur beschäftigt mich momen-tan mehr als manche Unterrichtsthematik. Anders als in anderen Fächern gehen meiner Meinung nach jedoch die Inhalte im Griechischen über den schulischen Rahmen hinaus. So habe ich das Gefühl, auch noch lange nach meinem Abi von im Griechischunterricht angestellten Überlegungen und Gedankenspielen profitieren zu können.
Ann-Judith Rabenschlag

Wenn man sich in der griechischen Sprache auskennt, braucht man zum Beispiel im Fach Biologie keine „sinnlosen“ Worte auswendig zu lernen, weil man sie großenteils direkt versteht. Überhaupt bekommt man ein Gefühl dafür, woher Worte etymologisch kommen, und sieht Zusammenhänge zwischen deutschen Worten, was einen direkteren Zugang zur deutschen Sprache eröffnet. So lernt man, die Sprache genauer zu beobachten.
Judith Sartor

Persönlich mag ich besonders die intensive Beschäftigung mit einer Kultur über so viele Jahre, sodass man eine Art „Spezialist“ wird, und das in so unterschiedlichen Themen wie Politik, Sozialgeschichte, Utopien, Philosophie, Lyrik oder Naturwissenschaft. Das Lesen der Texte im Original ermöglicht über die gründlichere Beschäftigung mit dem Thema ein besseres Verständnis, die Inhalte selbst lassen sich immer in Bezug zur Gegenwart setzen, sodass man sie besonders vielseitig diskutieren kann.
Miriam Younes

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Griechisch am Friedrich-Gymnasium

Die Fachschaft Griechisch am Friedrich-Gymnasium besteht zur Zeit aus folgenden KollegInnen:

  • Herr Dr. Arenz (Griechisch, Latein, Geschichte)
  • Herr Muthesius (Griechisch, Latein, Deutsch; Abteilungsleiter).

Folgende Orte oder Institutionen sind regelmäßige Ziele für Exkursionen aus unserem Unterricht heraus:

  • Archäologische Sammlung der Universität Freiburg (Herderbau, Habsburger Straße)
  • Stadt-Theater Freiburg (zuletzt „Ödipus / Antigone“, „Die Orestie“)
  • Theater im Marienbad u.a. (zuletzt Sophokles, „Antigone“)
  • Antiken-Museum und Skulpturensammlung Basel
  • Geitonas-Schule, Athen (Austausch im zweijährigen Wechsel in Kl. 9 bzw. 10)
  • Studienfahrt-Angebot (Griechenland-Rundreise, Kursstufe).

 

Austausch mit Athen

Austausch Athen 2014

 Bericht vom Athen-Austausch 2012
  Krautschupfnudeln und Achaier
  Parthenon und Boecklin

Links
  Lesungen und Vortrag zu Alexander und Pompeius
 Regierungspräsidien Baden-Württemberg: Latein und Griechisch
  Informationen zu Sprachenfolge, Profilwahl und Europäisches Gymnasium (pdf)

 

Fachschaft

  • Mittwoch, 5. Std.

     

    Mün
    Frau
    Müntefering
  • Dienstag, 4. Std.

    Abteilungsleitung Geisteswiss.
    Redaktion Jahresbericht

    Mth
    Herr
    Muthesius

Kontakt

Friedrich-Gymnasium Freiburg
Jacobistraße 22
79104 Freiburg

SEKRETARIAT
(0761) 201-7660
Fax: (0761) 201 – 7459
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